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Archive for the ‘Mordax und der Lämschutz’ Category

Im „Weltkulturerbe oberes Mittelrheintal“ wird eine weitere Art massiv in ihrem unbekümmerten Dasein bedroht. Diese Art gehört zu einer Gattung von zivilisatorischem Rang.

Die Gattung ist – der Lärm. Die Art ist – der Bahn-Lärm. Seit einiger Zeit steht der Bahn-Lärm auf der Liste der besonders gefährdeten Arten. Liebe Leser ich frage sie: Was kann ein zivilisierter Mensch gegen diese Art haben? So wie die Dunkelheit nur das Fehlen des Lichtes ist, so wie die Kälte nur das Fehlen der Wärme ist, so ist die Ruhe nur das Fehlen von Lärm. Haben Sie etwa etwas gegen Licht?Haben Sie etwa etwas gegen Wärme? Also, haben Sie etwa etwas gegen Lärm? Wollen Sie wirklich, dass die ursprüngliche Diversität der zivilisatorischen Errungenschaften im „Weltkulturerbe oberes Mittelrheintal“ verarmt? Also kümmern Sie sich um den Lärmschutz, schützen Sie den Bahnlärm! Ach du Lärm, du verschmähte, du verkannte, du gestörte Seele. Du Verkünder des Fortschritts. Wie vielfältig ist dein Klang, wie kraftvoll ist dein Ausdruck. Hat sich je schon eine treusorgende Seele deiner angenommen? (Ach! Im Rheintal, da macht selbst der Lärm romantisch). Aber die Rettung naht. Ja es gibt sie.

Die Institution, die sich tapfer für diese bedrohte Art des Lärms, diesen gefährdeten Spross der Zivilisation, bedingungslos und selbstlos einsetzt – „Deutsche Bahn“. Diese wahrhaft deutsche Institution von Weltrang hat sich mit ebensolcher Gründlichkeit – der Bürokratie sei Dank – des Lärmschutzes im Mittelrheintal angenommen. Sie redet nicht nur, sie handelt. Ja, im Rheintal wird Lärmschutz praktiziert. Ständig! Hier gilt Bahnlärm gleichsam als das Licht unter der Käseglocke des Weltkulturerbes.

Nur der Bahnlärm zeigt der Welt: hier geht noch was! Wir leben noch! Doch auch dieses Lebenszeichen ist gefährdet. Es gibt Züge, die sind – man wagt es kaum laut auszusprechen – leise. Doch die Rettung folgt auf dem Fusse Gleise. Völlig selbstlos wurden von „Deutsche Bahn“ innerhalb kürzester Zeit Maßnahmen zum Lärmschutz ergriffen. So war es am letzten Wochenende des Aprils 2013 soweit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag befuhr ein technisches Gefährt mit lautem Getöse und funkensprühend die Gleise der linksrheinischen Bahngleise in Richtung Bingen, wobei es die Schienen derart zum klingen brachte, dass sich nun in Erinnerung an dieses einmalige Getöse, mit jedem passieren eines bisher eigentlich als relativ ruhig anzuhörenden Zuges (hiermit sind die ICE, die IC, die privaten Nahverkehrszüge und! Man mag es kaum glauben, dass es so etwas gegeben haben soll: Güterwagons, die gerade so viel Lärm erzeugten, wie einer der privaten Nahverkehrszüge! Ein nahezu unhaltbarer Zustand für einen passionierten Lärmschützer, der beseitigt werden musste. – der Zustand nicht der Schützer!) ein Nachpfeifen auf den Schienen einstellt, das den Lärmpegel wieder in altbekannte Höhen katapultiert. Und so war es auch in der Nacht auf Christi Himmelfahrt 2013 (Ein Schelm der sich dabei was denkt!). Nun in die andere Richtung. Parallelität, Symmetrie, Ordnung, Bürokratie muss sein. Sollte sich wieder erwarten und in respektlos, lärmverachtender Weise einmal ein „leiser“ Güterwagon zwischen die altehrwürdigen, den Geräuschpegel wahrhaft hochhaltenden „normalen“ Wagons verirren, bewirkt das automatische Verpfeifen dieses Lärmsaboteurs einen gleichmäßigen Lärmpegel. Der Klang ist ein neuer, aber die Lautstärke ist wieder die Alte.

Der Kreativitätsschmiede „Deutsche Bahn“ sei Dank! Liebe Leser, ich frage sie, gibt es ein besseres Beispiel für praktizierten Lärmschutz. Seien sie unbesorgt, auch das gibt es, auch dafür sorgt „Deutsche Bahn“. Rechtsrheinisch. Dort gab es bis Karfreitag 2013 einen weiteren unhaltbaren Zustand für jeden ernstzunehmenden Lärmschützer. Es war die Tatsache, dass es rechtsrheinisch mehr Lärm vor allem durch Güterzüge gab als linksrheinisch. Eine unzumutbare Bevorzugung der rechten Rheinseite. Auch hier sorgte „Deutsche Bahn“ in altbekannter selbstloser Manier für Abhilfe. Sie scheut weder Kosten noch Mühen. Neue Gleise zwischen Ehrenthal und Wellmich! Seitdem: gleicher Lärm auch für die linke Seite. Selbst die privaten Nahverkehrszüge, diese Lärmboykotöre, haben an akustischer Ausdruckkraft gewonnen. Auch das ist praktizierter Lärmschutz. Mögen der Kreativitätsschmiede „Deutsche Bahn“ die Ideen nie ausgehen. Sänk ju „Deutsche Bahn“.

Geschrieben beim Pfeifen eines vorüberfahrenden Personenzuges
Am Prinzenstein im Mai zweinulleinsdrei
Mordax

P.S.
Frag nicht nach Verantwortlichen
Es gibt keine
Greif nicht nach Entscheidungsträgern
Sie sind wie nasse Seife in feuchten Händen.
Suchst du sie beide
Findest du verantwortungsbefreite Bürokraten.

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